Gesellschaft im Wandel

Themenbereich Gesellschaftlicher Zusammenhalt

  • Till Kiehne (Studienleiter "Gesellschaftlicher Zusammenhalt")

Entwicklung und Veränderung sind grundlegende Elemente jeder Gesellschaft. Neue Technologien, Zuwanderung und sich wandelnde Werte innerhalb der Bevölkerung machen das Zusammenleben in einer Gesellschaft zu etwas Dynamischem. Dies war schon immer so. Doch der momentane soziale Wandel ist tiefgreifend und für viele Menschen besonders spürbar.

Es lassen sich Veränderungen im öffentlichen Leben, der gesellschaftlichen Teilhabe und der Altersstruktur innerhalb der Gesellschaft erkennen. Es scheint, als drehe sich die Erde gerade besonders schnell und im Empfinden mancher vielleicht auch zu schnell. Welche Gründe gibt es dafür und wie können wir den Wandel gemeinsam gestalten?

Optimismus früherer Jahre weicht einer zunehmenden Verunsicherung
Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Westdeutschland wirtschaftlich bestimmt von Wachstum. Der Alltag war geprägt durch ein Gefühl des Aufschwunges, das durch die Steigerung des individuellen Wohlstandes vieler bestätigt wurde, obwohl nicht alle im gleichen Maße profitierten. Es wurden Wohlstandsgüter wie Fernseher und Autos angeschafft und für viele waren erste Fernreisen möglich. Die Zuversicht dieser Jahre spiegelte sich auch in der individuellen Lebensplanung, mehr Kinder wurden geboren, die Generation der Babyboomer wuchs heran. Auch nachbarschaftliches Miteinander wurde gepflegt, Vereine wurden gegründet und wuchsen. Gerahmt wurde diese Entwicklung durch große gesellschaftliche Institutionen wie Parteien, Kirchen und Gewerkschaften.

Heute stehen die Babyboomer kurz vor dem Renteneintritt, die Institutionen verlieren an Einfluss sowie an Mitgliedern und das Versprechen vom Aufstieg hat sich in die Angst vor Abstieg gewandelt. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Sichtbar werden diese Veränderungen beispielsweise an der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft, der wachsenden Ungleichheit und der Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen. Welche Folgen hat das für unser Zusammenleben? Wie können wir die Diskussion um unsere Zukunft führen?

Der Wandel der öffentlichen Debatte
Deutlich werden die beschriebenen Veränderungen am Wandel der Öffentlichkeit. Große Debatten über die Art und Weise des Zusammenlebens wurden in der Vergangenheit in den Tageszeitungen sowie in den öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsendern geführt. Die Medienlandschaft hat sich seitdem stark verändert. Heute tragen das Internet und soziale Medien dazu bei, dass die Diskussionen zwar vielfältiger werden, sich jedoch auch weiter zersplittern. Extreme Meinungen treffen in Filterblasen auf Zustimmung, verstärken sich gegenseitig und ihre Urheber und Sympathisanten entfremden sich so von der demokratischen Diskussion. Um den sozialen Wandel gemeinsam zu formen, brauchen wir Plattformen, auf denen wir die Konflikte unseres Zusammenlebens offen und demokratisch austragen können. Doch wer schafft diese Diskussionsorte? Wie und wo finden Menschen zueinander, um Positionen zu verhandeln und Gemeinsamkeiten zu entdecken? Welche Rolle kommt dabei der Kirche und den ehemals großen Institutionen zu? Mehr zum Thema „Wandel der Öffentlichkeit“ 

Der Wandel der Partizipation
Nie war es so einfach wie heute, Teil von etwas zu sein und an etwas teilzunehmen. Es reicht ein Klick auf den Livestream, ein „Gefällt mir“ oder ein Slogan über dem Profilbild in den sozialen Medien und schon bin ich dabei. Es ist einfach, sich solidarisch zu zeigen. Doch wie nachhaltig ist dieses Mitmachen? Ist es lediglich ein spontanes und kurzweiliges „Teil-von-etwas-sein“ oder reicht es darüber hinaus zur Mitgestaltung von Gesellschaft und Zukunft? Eine sich wandelnde Öffentlichkeit braucht neue Wege der verlässlichen Partizipation. Ohne diese Teilhabe und ohne die gemeinsame Diskussion, in der Menschen sich auf Positionen einigen, fehlt der Demokratie die Basis für mehrheitsfähige Entscheidungen. Mehr zum Thema „Partizipation“ 

Der demographische Wandel
Die Teilhabe aller an der demokratischen Diskussion ist umso wichtiger, wenn wir auf die strukturellen Veränderungen blicken, die uns bevorstehen. Aktuell ist jeder fünfte Mensch in Deutschland über 65 Jahre alt. Die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre erreichen nach und nach das Rentenalter. Gleichzeitig herrscht bereits heute ein Mangel an Fachkräften. Die Rentenfinanzierung wird neu diskutiert, um auch zukünftig ein generationengerechtes Zusammenleben zu ermöglichen. Für ein friedliches und fürsorgliches Zusammenleben brauchen wir gemeinsame Lösungen. Diese Lösungen müssen wir gemeinsam ausarbeiten. Mehr zum Thema „demographischer Wandel“

Wie kann der soziale Wandel gestaltet und begleitet werden?
Innerhalb des Themenbereiches „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ wird der soziale Wandel mit Schwerpunkten auf den Aspekten der Öffentlichkeit, der Partizipation und der Demographie behandelt. Wie kann der gestaltet und begleitet werden? Welche Funktion nimmt die Kirche dabei ein? Dies sind zentrale Fragen dieses Bereiches.

Hoffnung gestalten
Damit Hoffnung auf Veränderung wirksam werden kann, muss sie gestaltet und in Handlungen übersetzt werden. Dabei können Geschichten, die von Hoffnung und einer geteilten Vision für eine bessere Zukunft erzählen, dem gemeinsamem Handeln eine Zielrichtung geben. Deshalb setzt sich der Themenbereich „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ auch mit aktuellen Hoffnungsgeschichten auseinander. Wo finden wir Hoffnung in einer Zeit, die von sozialen Verwerfungen geprägt ist? Wie können wir digital und analog von dieser Hoffnung sprechen? Mehr zum Thema „Hoffnung gestalten“

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